Der Uferpark auf der Grunewalddüne

    Die kleine Parkanlage der „Ronnebypromenade“ liegt wie ein etwas verstaubtes Kleinod am Übergang vom Großen Wannsee zum Kleinen Wannsee. Sie wurde benannt nach der schwedischen Stadt Ronneby, einer Partnerstadt Zehlendorfs. Eingebettet zwischen den Villenkolonien Wannsee und Am Sandwerder und in herausragender Wasserlage gelegen besticht der Park durch eine anspruchsvolle Topografie - den Hangabbruch der Grunewalddüne zum Großen Wannsee - die reizvolle, weite Ausblicke über den See gewährt. Am Ufer befinden sich die Anlegestellen des Hafens mit unmittelbarer Anbindung an die S-Bahn durch den Bahnhof Wannsee. 

    Die Ronnebypromenade

    Die jetzige Parkanlage um die Ronnebypromenade wurde Anfang der 1980er Jahre nach Plänen Walter Rossows neu gestaltet und ist in dieser Form bis heute erhalten. Sie ist charakterisiert durch einen wertvollen Baumbestand, schwingende Wiesen- und Pflanzflächen mit großzügigen Blickbezügen entlang der Topografie und wegebegleitende Mauern, teilweise in Sitzhöhe. Mittlerweile ist die Anlage in die Jahre gekommen und entspricht nicht mehr den gestiegenen touristischen Ansprüchen und den heutigen Erfordernissen an Sicherheit und Barrierefreiheit. Der Weg in Richtung Schiffsanleger ist derzeit nur über große Umwege barrierearm zu erreichen. Eine barrierefreie Erschließung ist nicht vorhanden. Auch ist der Weg über die große Treppe zum Hafen an der Ronnebypromenade nicht intuitiv zu finden. Zur Orientierung sind umfangreiche Hinweisschilder nötig.

    Sensible Modifikation und neue Setzungen

    Die Rossowsche Grundstruktur des Parks, die dem Verlauf der Topografie der Haveldüne folgt, wird im Entwurf in ihren Grundzügen aufgegriffen und sensibel modifiziert. Als Reminiszenz an den großen Kollegen sollen die Elemente der fließenden Wege und begleitenden Mauern erhalten bleiben.

    Der Dünenweg als Leitelement

    Zur besseren Orientierung und Besucherlenkung wird die Wegeführung des Parks fließend mit dem vorhandenen Gehweg des Kronprinzessinnenweges verknüpft, ausgehend von dem neuen, großzügigen Vorplatz des Tunnelausgangs zum S-Bahnhof Wannsee. Aus dem Gehweg wird gleitend der neue Dünenweg entwickelt, der sich zunächst entlang der Hangkante und dann nach unten zur Uferpromenade schwingt.  Über den Dünenweg wird so der barrierefreie Ausgang des S-Bahnhofes und die Bushaltestellen direkt mit dem Park und dem Schiffsanleger verbunden. In der nordöstlichen Richtung geleitet der Dünenweg direkt zum Borussiadenkmal im Park in den Dünen. Entlang der Hangkante wird der Dünenweg durch eine Mauer begleitet, die zum einen Schutz an der steilen Böschung ist, zum anderen Leitelement. Mit einem Leitsystem aus großen Schriftzügen auf der Mauer werden die Besucher zu den Attraktionen des Parks gelenkt (Schiffsanleger, Wannseeblick, Borussiadenkmal ...). Die Mauerkrone trägt Informationstafeln und andere signaletische Elemente. An der höchsten Stelle des Dünenweges weitet sich der Wannseeblick zu einem“ Bellevue“. Barrierefrei wird der Besucher entlang der Böschungsoberkante der freien Wiese geleitet, um etwas weiter westlich auf die Uferpromenade zu treffen.

    Die Hafentreppe – Eine Schau

    Als kurze direkte Anbindung schwingt die neue Hafentreppe mit begleitenden, einladenden Sitzstufen vom Dünenweg hinunter zum Hafenplatz, als attraktiver Durchwegungs- und Aufenthaltsraum bereits den Wannseeblick inszenierend. Sie geleitet, sich aufweitend und verjüngend, beschwingt durch den Baumbestand die Böschung hinunter. Der Blick weitet sich beim Hinabschreiten und das Wannseepanorama eröffnet sich in voller Breite.

    Die Ronnebypromenade mit Hafenplatz, Hafenwiese und Alter Wannseeliebe

    Unterhalb der Grunewalddüne eröffnet sich die großzügige offene materialeinheitliche Fläche der Ronnebypromenade (Kleinsteinpflaster). Die Fläche bleibt, wie im Entwurf von W. Rossow konzipiert, weitestgehend erhalten, wird aber erweitert. Die Bestandsmauern werden größtenteils erhalten und durch Sitzauflagen ergänzt. Die Ronnebypromenade spannt sich großzügig zwischen Hafenplatz, Hafenwiese und der „Alten Wannseeliebe“ auf. Das nordöstliche Ende der Promenade wird deutlich vom angrenzenden Villengrundstück abgegrenzt. Eine ergänzte Sitzmauer schließt die Uferpromenade an der Hafenwiese in Richtung Nachbargrundstück ab und gibt Raum für eine intensive Bepflanzung.

    Hafenplatz

    Der Hafenplatz wird nun großzügig und offen von der Hafentreppe aus erschlossen. Auf den Sitzstufen der Hafentreppe genießt man bereits den Blick über den Wannsee. Der erweiterte Hafenplatz integriert die bestehenden Infrastrukturgebäude für Ticketverkauf, Gastronomie und WC und gibt allen Funktionen genügend Raum für Ankommen, Bewegung, Orientierung und Aufenthalt. Der Sitzbereich des Gastrokioskes kann so optimal erweitert werden. Die Baumscheiben der Einzelbäume auf dem Platz werden durch Holzsitztribünen gefasst.

    Hafenwiese

    Die von der Uferpromenade eingefasste Hafenwiese wird eine maritime Spielwiese unter wertvollem Baumbestand. Das bestehende Seilspielgerät wird dahingehend überarbeitet und durch Geräte für kleinere Kletterer ergänzt. Die Sandspielfläche ist jetzt größer und es gibt Raum zum Buddeln. Am Rand der Hafenwiese werden auch für andere Generationen Geräte zur Bewegung und eine Boulebahn angeboten. Am nördlichsten Rand der Uferpromenade wird das Spielangebot um zwei Tischtennisplatten ergänzt.

    „Alte Wannseeliebe“

    Der ruhige Platz am Wasser mit Aussicht auf den Schiffsanleger und das gegenüberliegende Ufer hat schon heute eine besondere Qualität. Die vorhandene Natursteinmauer erhält eine große neue Sitzauflage, die Belagsfläche und die Sitzstufen zum Wasser werden überarbeitet bzw. restauriert. Die Fläche unterhalb der Mauer wird leicht (um ca. 10 cm) angehoben. Der Platz an der Wassertreppe ist barrierefrei über einen sanft abfallenden Weg vom Uferweg aus neu angebunden. Die „Alte Wannseeliebe“ markiert das westliche Ende der intensiven Ronnebypromenade. Von hier aus führt die Kleine Ronnebypromenade als Uferwanderweg weiter unter der Brücke entlang in Richtung des kleinen Wannsees und schließt materialeinheitlich an die Wanderwege (u.a. an den zum Kleistgrab) an. Der bestehende Blick über den Kleinen Wannsee wird aufgewertet.

    Der Park in den Dünen

    Der Park oberhalb der Grunewalddüne (Haveldüne) erstreckt sich zum Teil auf dem ehemaligen Grundstück der Villa Wild. Daran erinnern das prominent platzierte Borussiadenkmal und das noch existierende Eck der Gartenmauer. Südwestlich wird in den Pflanzflächen der „Garten Schwedens“ in Anlehnung an die Partnerstadt Ronneby inszeniert. Der Dünenweg verbindet den Garten Schwedens mit dem Villengarten. Ansonsten bleiben die historischen Wege weitgehend erhalten und werden wo nötig überarbeitet.

     

     

    Fläche

    46.000 m²

    Auftraggeber

    Land Berlin, vertreten durch das Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf von Berlin

    Wettbewerb 2019, 1. Preis