Der neue Bildungs- und Gesundheitscampus

    Im Norden der Stadt Hameln liegt das Areal der ehemaligen Linsingenkaserne, ein Gelände mit weitreichender militärischer Geschichte. Dieses lange für die Hamelner abgeschlossene Gebiet mit starker Barrierewirkung wird nun geöffnet und in einen Bildungs- und Gesundheitscampus umgewandelt. Entsprechende Funktionen – u.a. die bisherigen drei Standorte einer Berufsschule in Hameln – sollen hier gebündelt und synergiebildend zusammengeführt werden. Im Zentrum dieses Quartiers entsteht als verbindendes Element ein Quartierspark. 

    Im Herzen des Quartiers ein Park

    Dieser zentrale Park soll vor allem zwei Zielen dienen: Zum Ersten der Verbindung zwischen den bisher durch die Barriere der abgeschlossenen Kaserne getrennten anschließenden Quartiere und der Verknüpfung des neuen Bildungs- und Gesundheitscampus mit den umliegenden Quartieren. Zum Zweiten soll der Park ein Zentrum für den neuen Campus bilden. Als Quartierspark soll er für die künftigen Nutzer im Quartier aber auch für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete ein im Alltag intensiv nutzbarer und erlebbarer Ort werden. 

    Fünf Ankerplätze und ein Wegekreuz

    Der Entwurf sieht fünf Eingangsplätze – Ankerplätze - aus großformatigem Betonsteinpflaster mit Natursteinvorsatz vor, die den Park großzügig zur Umgebung öffnen. Diese Plätze reagieren jeweils auf die angrenzenden Nutzungs- und Verknüpfungsfunktionen, werden Vorplatz für die Schule, nehmen eine Außengastronomie auf, sind „Shared Space“ oder Treffpunkt für Parcoursbegeisterte. Am Übergang zum Park wird jeweils ein großes beidseitig besitzbares Holzsitzelement vorgeschlagen.

    Zwischen den Ankerplätzen werden die Wege wie Sehnen gespannt. Diese strahlenförmig angeordneten Wege aus Kleinsteinpflaster ermöglichen eine Querung des Parks aus allen Richtungen, verbinden und vernetzen den gesamten Campus und alle anschließenden Quartiere miteinander. Gleichzeitig bilden sie im Zentrum des Quartiers ein Wegekreuz – das Herz des Parks und das Herz des Quartiers. Hier umschließen gebogene Bänke die angrenzenden Wiesenflächen und bieten urbane Aufenthaltsmöglichkeit, sind Treffpunkt und laden zur Kommunikation ein.

    Die als erhaltenswert eingestuften Bäume werden soweit als möglich in den Entwurf integriert. Der zum Teil wertvolle Baumbestand wird durch eine Mischung frei verteilter robuster landschaftlicher Gehölze (Acer, Quercus, Fraxinus, Robinia) ergänzt. Entlang der geplanten Wegeerschließungen verlaufen ordnende Baumreihen. Regelmäßige Baumhaine überspannen den geplanten Stellplatzbereich und den Schulhof. Sie orientieren sich an der Orthogonalität der Gebäude.

    Vier grüne Parkareale

    Die durch die Wegebögen enstehenden Grünflächen weisen zwar eine formale Ähnlichkeit auf, bekommen aber jeweils einen eigenständigen Charakter und machen unterschiedliche Nutzungen möglich:

    Freie Wiese - Die freie Wiese im Süden des Parks bietet viel offene Fläche und lädt damit zum Fußball- oder Frisbeespielen, Drachensteigenlassen und Ähnlichem ein. Ihren südlichen Abschluss findet sie in einem lockeren Obstbaumhain mit Beerensträuchern im Anschluss an die geplante Bebauung.

    Wäldchen - Die Fläche westlich der Mollerstraße wird sanft als Hügel modelliert um den Parkraum an dieser Stelle zu fassen. Mit einem kleinen Wäldchen wird sie zu einem Raum für Naturerlebnis und schattigen Aufenthalt und ermöglicht Nutzungen wie Rodeln im Winter. Die bestehende Mauer wird im Bereich der Mollerstraße großzügig geöffnet.

    Feuchte Senke - Im Nordosten wird eine Wiese als Retentionsfläche bzw. Versickerungsmulde leicht abgesenkt. Naturnahe Wiesen und Staudenpflanzungen bilden eine liebliche Kulisse. Holzstege mit kleinen Spiel- und Naturerlebnisangeboten ermöglichen einen spielerischen Zugang. Am südlichen Rand, den Weg begleitend, werden vielfältige Parcourselemente in einer wassergebundenen Wegedecke angeordnet.

    Arena - Die nördlichste Fläche liegt im Bereich des ehemaligen zentralen Exerzierplatzes und ist größtenteils abgesenkt. Dieser Bereich wird zur Arena wobei die bestehende Böschung westlich mit Sitzstufen als eine Art Tribüne nachgezeichnet wird. Hier können Bewegungsangebote für alle Generationen wie z.B. Boulebahnen, Streetball-Felder, ein Skateareal, Rollsportflächen (für Laufrad, BMX, Rollschuhe, Bobby-Car etc.) Tischtennisplatten, Calistenicsgeräte und Bewegungsgeräte für Senioren auf einem farbigen Kunststoffbelag (EPDM) bzw. farbigem Asphalt angeordnet werden. Im Zentrum der Arena befindet sich ein leicht überhöhter Wiesenbereich, in dessen Böschung sich Liegen zum kontemplativen Aufenthalt integrieren. Die Geländemodellierungen ermöglichen eine Wiederverwendung von Aushubmaterial der Neubaumaßnahmen.

    Die erforderliche Barrierefreiheit wird auf allen Wegen, auch in die Arena, sichergestellt. Beleuchtung: Entlang der Hauptwegeverbindungen und auf den Ankerplätzen werden Mastleuchten mit optimaler Lichtverteilung gestellt. Fahrräder: Fahrradroute durch den Park (Nord-Süd-Verbindung von der Innenstadt in Richtung der Schulstandorte): Wegebreiten reagieren auf die Nutzungen (rad- und fußläufiger Verkehr werden nicht getrennt). Fahrradstellplätze (Bügel) werden an allen 5 Eingangsplätzen vorgesehen. Befahrbarkeit der Wege: Pflege- und Rettungsfahrzeuge können auf allen Parkwegen fahren.

    Der neue moderne Quartierspark im Herzen des Linsingenquartiers bietet die Chance, an diesem bisher kaum zugänglichen und sehr verschlossenen Ort einen für alle Nutzer offenen und vielfältig nutzbaren Grünraum zu schaffen, der eine Initialzündung für die Entwicklung dieses Teils von Hameln wird. 

     

     

     

    Fläche

    23.460 m²

    Auftraggeber

    Stadt Hameln

    Wettbewerb 2019, 1. Preis