Das Konzept sieht die komplette Neuordnung der Quartiersfreiräume in Kombination mit klaren Wegehierarchien vor. Die quartierstypische Serialität der Architektur wird im Freiraum aufgegriffen und durch eine subtile Adressbildung pointiert. Die Wohnhöfe werden als solche zusammenhängend erlebbar, dem Fußgänger wird Vorrang vor dem Fahrzeugverkehr eingeräumt. Der Lennépark wird über deutliche Wegeachsen mit der Magistralen verbunden.

    Die Hofrahmen aus Pflasterklinker verknüpfen die Gebäude der Magistrale mit denen der Höfe zu zusammenhängenden, einheitlichen Wohnhöfen. Sie ermöglichen die Wege- und Verkehrserschließung zwischen den Höfen und der Wollenweberstraße für Anwohner, Besucher, und dienen als Feuerwehrumfahrung. Sie rhythmisieren die schlichte, funktionale Asphaltfläche der Wollenweberstraße und dienen - als belagsbündiger Materialwechsel - der Verkehrsberuhigung im Quartier. Die Wahl des Pflasterklinkers, als Oberflächenbelag der Hofrahmen, nimmt Bezug auf die Ornamentik der vorhandenen Gebäudefassaden und findet sich auch in Oberflächenbelägen, Bestandsmauern und Gebäudesockeln wieder. Die PKW-Stellplätze innerhalb der Rahmen werden als Rasengittersteinflächen ausgebildet und durch eine leichte und transparente mit Kletterpflanzen seitlich und oben begrünte Pergolenkonstruktion überspannt. So werden diese Stellplätze zum Bestandteil der Hofbegrünung.

    Im Westen der Wohnhöfe werden gemischte, generationsübergreifende Spiel- und Aufenthaltsbereiche für Kinder, Jugendliche und ältere Menschen entwickelt.

    Im Zentrum der Höfe bleibt der wertvolle Altbaumbestand erhalten und wird in Teilen um standortgerechte Neupflanzungen ergänzt. Eine multifunktionale Rasenfläche gibt Raum zum Spielen und Lagern, Sitzelemente und Stühle laden zum Aufenthalt im lichten Schatten des Baumbestandes oder eröffnen den Blick vom Hofrahmen in die lebendige, grüne Hofmitte.

    Eine Hecke trennt die Stellplatzbereiche von den grünen Freiräumen der Wohnhöfe.

    Alle Vorgärten werden durch intensive Pflanzbeete mit Solitärsträuchern, Blühstauden und Ziergräsern einladend ausgebildet. Jedem der drei zu gestaltenden Höfe wird hinsichtlich der Bepflanzung und der Spielgeräte eine Primärfarbe zugeordnet.

    So wirken der blaue (nördlicher Hof), der rote (zentraler Hof) und der gelbe Hof (südlicher Hof) in Ihrer Abfolge auf subtile Weise adressbildend.

    Alle  Hauseingänge werden barrierefrei erschlossen - wo notwendig werden Eingänge auf Hochparterre- niveau über neue Treppen und Rampen barrierefrei angedient.

    Vor den Hauseingängen werden insgesamt 150 Fahrradstellplätze als Bügelparker angeboten.

    Das neue Stadtarchiv erhält hofseitig einen Lesesaal im Freien, als Holzdeck mit bequemen Sitz-und Liegeplätzen ausgeformt.

    Die Gebäude 43 a und 24 werden in moderner, freundlicher Architektursprache für kostengünstiges, studentisches Wohnen umgebaut. Zum Innenhof entsteht eine kommunikative Gemeinschaftsterrasse.

    Die vorhandene Kita wird mit ihrer umlaufenden Spierenhecke selbstverständlich in das Gesamtkonzept der Hofräume integriert.

    Das Café Rosenstübchen erhält einen neuen, einladenden Terrassenbelag. Das vorhandene Rosenbeet bleibt erhalten und unterstreicht die neue Aufenthaltsqualität.

    Der Straßenraum der Wollenweberstraße dient als ebene und barrierefreie Mischverkehrsfläche mit kompakter Funktionalität der fußläufigen Erschließung, dem PKW-Verkehr inkl. Parkierung, als Feuerwehrzufahrt, der Anlieferung der Ladenzonen sowie der Müllentsorgung.

    Die Aufhebung der Trennung zwischen Fahrbahn und Fußgängerbereich, die Mischverkehrsnutzung sowie der Belagswechsel, mit den kreuzenden Rahmen und den Verbindern, tragen zur Verkehrsberuhigung bei und geben dem Fußgänger prinzipiell Vorrang vor dem Fahrzeugverkehr.

    Zwischen der Magistrale und dem Lennépark spannen sich die ehemaligen Gassen als Verbinder aus urban anmutendem, großformatigen Plattenbelag auf. Sie eröffnen fußläufige großzügige Wegeverbindungen und ermöglichen neue Blickbezüge von der Magistrale zum Lennépark. Jeder Verbinder wird durch eine schlanke Baumreihe (vorzugsweise Pyramiden-Hainbuchen, Carpinus betulus „Fastigiata“) unterstrichen.

    Die umgreifenden Platzgelenke an den Öffnungen der Magistralenbebauung bleiben (mit Brunnen und skulpturalen Einbauten) weitestgehend erhalten oder werden sensibel saniert.

    Die extensiven Pflanzflächen auf der Parkseite der Wohnbebauung bleiben prinzipiell als Puffer der Erdgeschosszonen zum gut besuchten Lennépark erhalten und werden -wo nötig– durch Nachpflanzung aufgefrischt.

    Verkehr:

    Die Zufahrt der Wollenweberstraße erfolgt ausschließlich von Süden um die Schleichwegnutzung/ Umfahrung der Rosa-Luxemburg-Straße bei Stau zu unterbinden.

    Die Wendemöglichkeit erfolgt über den Stellplatzbereich im nördlichen Hof sowie um die Kita herum.

    Die Parkierung erfolgt beidseitig quer zur Fahrbahn mit einer Fahrgasse von 5,5 m Breite. Im Bereich der Höfe ist eine doppelte Querparkerreihe mit einer weiteren Fahrgasse westseitig vorgesehen. Diese doppelte Querparkierung und die dazugehörige Fahrgasse werden, mit Rasengittersteinen ausgebildet und mit einer begrünten Pergola überdeckt, zum Bestandteil der Hofbegrünung. Es werden insgesamt 205 Stellplätze, davon 4 behindertengerecht, angeboten.

    Die Wegeerschließung der Wohnhöfe und Haupteingänge sowie die Feuerwehrumfahrung und Aufstellfläche erfolgt über die Hofrahmen. Wo erforderlich kann die Feuerwehr auch die Verbinder als Zufahrt und Aufstellfläche nutzen.

     

     

    Fläche

    38.000 m2

    Auftraggeber

    Stadt Frankfurt (Oder), Dezernat für Stadtentwicklung, Bauen, Umweltschutz und Kultur

    Verkehrsplanung

    ZECH-CON Beratende Ingenieure, Berlin

    Architektur und Städtebau

    mayerwittig Architekten und Stadtplaner GbR, Cottbus

    Wettbewerb 2014, 1. Preis