Das Wasserschloss im Burgenland an der ungarischen Grenze mit seiner umgebenden Parkanlage wird als wichtige Renaissanceanlage gewürdigt. Obwohl die heutige Substanz des Schlosses nur noch ein Rest der einstigen bauhistorischen äußerst interessanten Anlage darstellt, sind die ehemaligen Dimensionen des Geviert in den äußeren Bereichen als Mauerreste noch vorhanden, auch haben sich bis auf den torseitigen, alle Wassergräben in ihrer Topographie erhalten. Sie sind jedoch mittlerweile stark verlandet. 

    Die Walterkarte 1745/55 bildet die gartenhistorische Grundlage der Gesamtanlage. Sie wurde in ein quadratisches Raster aus neun Segmenten unterteilt, deren Zentrum das Schloss bildet.

    Neben einem ehemaligen Ziergarten, und einem Obstgarten gab es auch einen Tiergarten (Gehege). 

    Der ehemalige Lusthaushügel/“Königshügel“ ist ein heute bewaldeter, ca. 3m hoher Erdhügel und bildet das herausragende Gestaltungsmotiv der Parkanlage. Er geht wahrscheinlich auf einen mittelalterlichen Tabor (Versammlungsort) zurück und wurde dann als Sockel für ein Lusthaus verwendet.

     

    Konzept

    Die landschaftliche Gesamtgestalt des Parks mit seinem wertvollen, alt-ehrwürdigen Baumbestand soll durch den Entwurf erhalten und sensibel weiterentwickelt werden. Das historische Segmentraster soll durch lineare, strenge, Heckenabschnitte wieder erlebbar gemacht werden. Der historische Schlossgraben wird saniert und wieder mit Wasser gespeist.

    Der „Königshügel“ wird in Anlehnung an seine historische, quadratische Grundform jedoch modern interpretiert als begehbarer, pyramidal geformter Erdhügel mit Aussichtspunkt ausgebildet. Der vorhandene, schmale, umgebende Wassergraben mit seinen Einfassungsmauern aus Bruchstein wird saniert. Er erhält wieder seine streng-quadratische, historische Rahmung. Ein Stahlsteg geleitet zu einer großzügigen Treppenanlage  hinauf zu einem Aussichtspunkt, welcher seitlich durch eine Sitzbank gerahmt wird. Die ebenen Flächen und Böschungen werden mit Bodendeckern bepflanzt.

    Aus der quadratischen Grundform des Königshügels werden Gestaltmodule entwickelt, die in den anderen Quadranten in unterschiedlicher Ausprägung wiederauftauchen. So erhält das markante Baumrondell in der Mitte des Obstgartens eine leichte, schwebende Rahmung als Markierung des besonderen Ortes. Sie werden ebenso als Schwimmteich oder als Fläche für Freizeitsport/Spielnutzung ausgebildet.  

    Im Bereich der neuen Wohnbebauung können diese Module als kleine Plätze oder Gärten wieder auftauchen.

     

    Erschließung „Königshügel“

    Die historische Mauer bleibt erhalten und wird an einer Stelle, für die fußläufige Anbindung an die Bahnstation, geöffnet. Von einem Eingangsplatz ausgehend verläuft eine großzügige Wegerschließung, der „Mauerweg“ parallel zur Mauer. Sitzbänke laden zum ruhigen, kontemplativen Verweilen mit Blick über die weitläufigen Wiesenräume des Obstgartens. 

    Ein schmaler, dynamischer „Parkweg“ sucht die besonderen Orte der Obstwiese. In Anlehnung an die Wegeführungen im klassischen Landschaftsgarten werden Blicke auf besondere Szenen (Baumrondell, Obstwiese etc.) gelenkt ohne dort wirklich hinzuführen. Der „Königshügel“ jedoch wird  als krönender Abschluss und Höhepunkt der Entdeckungsreise inszeniert.

    Die neuen Wohneinheiten im südöstlichen Schlossflügel erhalten einen Schwimmteich mit Holzdeck zum Sonnen im Bereich des sanierten Schlossgrabens.  Die Schlosseigentümer erhalten einen ebensolchen Schwimmteich am nordöstlichen Schlossgraben.

    Die Schwimmteiche bestehen zu 50% aus freier Wasserfläche zum Schwimmen und zu 50% aus einem Pflanzenfilter mit technischer Ausstattung, der durch eine Unterwasserschwelle (zum Schutz vor unkontrollierter Ausbreitung der Pflanzen) von der freien Wasserfläche getrennt ist. Die Holzdecks aus heimischer Lärche dienen als Sitzstufen am Wasser und  als Sonnenterrassen. 

    Fläche

    120.000 m²

    Auftraggeber

    Esterházy Betriebe GmbH

    Gutachterlicher Entwurf 2007