Heimat Freiham

    Bei Betrachten des Luftbildes des südlichen Münchner Umlandes in Nachbarschaft zu Freiham fällt ein typisches Landschaftsbild ins Auge: Ein Dorf wird umschlossen von Feldstrukturen, welche durch einen Wald bzw. Forst begrenzt werden. Oft findet man noch Streuobstwiesen im Übergang von der Bebauung zum Feld, ein Bach durchzieht das Gelände.

    Der Entwurf versucht, dieses klassische Siedlungsbild der Region zu übersetzen, um damit den Bewohnern am neuen Landschaftspark einen Identifikationsort, eine Heimat zu geben.

    Gemäß Rahmenplanung wird ein klarer Ortsrand mit lockerer Einzelbaumstellung und wohnungsnahen Nutzungen ausgebildet: Die Quartierssäume umfassen die Baukanten. Inmitten von Rasenflächen unter dem lockeren Baumdach der heimischen Streuobsthaine werden hier neben den erforderlichen Infrastruktureinrichtungen vielfältige Spielflächen für Klein- und Schulkinder und Raum für andere wohnungsnahe Nutzungen angeboten. 

    Daran anschließend findet sich eine offene Feldflur (Wiesenkorridor), die jeweils von einem die räumliche Kulisse bildenden Quartiers-wäldchen begrenzt wird. Das Element Wasser - der Bach - wird in Form von immer wiederkehrenden Wasserspielen im Quartierssaum aufgenommen.

    Quartiersschleifen, materialeinheitliche Rundwege verbinden alle vier Landschaftsbestandteile und binden sie entsprechend an das angelagerte Quartier an. Ein untergeordnetes Wegesystem verknüpft baufeldbezogen die neuen Quartiere mit dem Park. Vor allem die Quartierswäldchen sind in ihrer Eigenart wichtige Identifikation bildende Elemente. Alle drei Waldtypen leiten sich von regionalen Naturwaldtypen mit potentieller, natürlicher Vegetation ab. Sie werden initial gemischt und höhengestuft gepflanzt , so dass jede Art in unterschiedlichen Altersstufen auftritt.

    Die Wäldchen im Norden sind Eichen-Hainbuchen-Wälder feuchter Standorte, wie in den angrenzenden Lohwäldern zu finden. Dieser Waldtyp wird vorwiegend durch Stieleichen und Hainbuchen geprägt. Außerdem sind Esche und diverse Ahornarten, vereinzelt auch Schwarz-Erle oder Rotbuche vorzufinden. Die mittlere Baumschicht ist als artenreich, Waldsäume und -mäntel sind als gut ausgebildet beschrieben (LAU 2015). In der Strauchschicht sind vor allem Hasel, Eingriffliger sowie Zweigriffliger Weißdorn, Gemeine Heckenkirsche und Roter Hartriegel vertreten (SAUTTER 2003). Die Krautschicht ist unter anderem von Zittergras-Segge und Rasen-Schmiele, im Über-gang zu bodensauren Eichenwäldern auch von Pfeifengras dominiert (LFU 2012).

    Der mittlere Wald ist ein Hainsimsen-Buchenwald im Komplex mit Waldmeister-Buchenwald (örtlich mit Waldgersten-Buchenwald). Es handelt es sich um einen eher artenarmen Buchenwald teilweise mit Eichenbeimischung. Die Krautschicht ist artenarm und die Strauch-schicht ist kaum ausgeprägt. Die Hauptbaumart ist die Rotbuche, zu den Nebenbaumarten können Eiche und Fichte, begleitende Arten Eberesche, Hänge-Birke, Holunder und Himbeere sein. Die Krautschicht ist unter anderem durch Schmalblättrige Hainsimse, Draht-Schmiele, Schmalblättriges Weidenröschen, Schattenblume, Heidelbeere und Busch-Windröschen geprägt. (LAU 2015A).

    Hier integrieren sich die Retentionsbecken der Autobahn.

    Im Süden entsteht ein Kiefern-Stieleichen-Wald, wie er typischerweise auf den Münchner Schotterzungen vorkommt. Der Kiefern-Ei-chenwald wird von verschiedenen Eichenarten und Kiefer geprägt. Als Nebenbaumarten kommen Birke, Eberesche und Aspe vor, die Krautschicht wird durch Zwergsträucher wie Preiselbeere und Gräser dominiert. (BUNDESMINISTERIUM FÜR ERNÄHRUNG UND LANDWIRTSCHAFT 2017)

    Ein überregionaler Weg, die verlängerte Freihamer Allee, fädelt als Grüngürtelweg gleichsam alle Quartiersschleifen auf und verbindet sie untereinander und mit der anschließenden Landschaft, dem Grüngürtel Münchens. Dieser Weg verläuft als eine Leseanleitung für die verbundene neue und bestehende Landschaft szenografisch inszeniert durch den Landschaftspark. Er führt als Allee (Rosskastanien) durch die freie Wiese, entlang des Waldrandes über die Landschaftsbrücke und durch den Wald auf die Böschung des Lärmschutzwalles entlang der Autobahn. Entlang des Weges wird der Blick gelenkt, geleitet, abgelenkt und geöffnet, so dass sich immer wieder neue, abwechslungsreiche und manchmal überraschende Ausblicke ergeben. Kleine Verweilplätze werden entlang der Allee angeboten.

    Am nördlichsten Abschluss des Landschaftsparks wird ein Abenteuer- und Erlebnisort für alle Freihamer entwickelt. Ein bewachter Abenteuerspielplatz schmiegt sich in die Böschung des Lärmschutzwalles. Die den Abenteuerspielplatz hier begrenzende Mauer ist bis zu 5 Meter hoch, bildet einen gewissen Lärmschutz und wird gleichzeitig im südlichen Anschluss als Boulderwand ausgebildet. Nördlich an den Abenteuerspielplatz anschließend ist ein kleinerer unbewachter Waldspielplatz im Waldsaum. Die dem Komplex vorgelagerte Fläche kann für Stadtteilfeste, das Johannisfeuer und Ähnliches genutzt werden. Es können sich nützliche Synergien zwischen den Kleingärtnern, den Nutzern der Urban Gardening Flächen und dem Abenteuerspielplatz (z.B. Werkzeugpool) ergeben.

    Das Wiesenforum – Abschluss der nördlichsten Quartiersschleife – nimmt einen Gastronomiepavillon auf. Außenflächen für einen Bier-garten ergänzen das Angebot im Norden des Parks.

    Oberhalb des nördlichsten Quartierswäldchens schützt eine Lärmschutzwand vor der Lärmemission der S-Bahn. Zwischen dieser Lärm-schutzwand und der Bahnböschung befindet sich ein (mit 10-30 Metern Breite) großzügiger Korridor mit extensivem Magerrasen für die Zauneidechsen.

    Die Grünfinger werden zu Landschaftsfugen, großzügigen blickoffenen Verknüpfungen zwischen Stadt und Landschaft. Sie verknüpfen die Stadtquartiere mit dem Park und führen über sanfte Böschungen auf den Lärmschutzwall der Autobahn. Auf der Böschungskrone eröffnen sich Landschaftspanoramen, welche bewusst Blickbezüge zu den verschiedenen Landschaftsstrukturen jenseits der Autobahn herstellen (Die Stadtsilhouette Germerings, die Moosschwaige, sowie die Aubinger Lohe). Auch über die unterschiedlichen Abschnitte des Landschaftsparks und die Stadtkante Freihams hat man von hier aus einen hervorragenden Ausblick.

    Im Norden und im Süden des Landschaftsparks binden die Landschaftsfugen die S-Bahnhöfe Aubing und Freiham an den Park und unterstreichen somit die überörtliche Bedeutung und Qualität des neuen Landschaftsparks.

    Die anlagernden Quartierswäldchen, die formal an die Gehölzinseln in der umgebenden Landschaft erinnern, werden mit intensiven Nutzungen kombiniert: - Im Süden: Sport und Bewegung stehen im Mittelpunkt dieses Teilbereiches, der in der direkten Nachbarschaft zum Vereinssport liegt. Das Angebot reicht vom Trimm-Dich-Pfad über Fußball, Federball, Frisbee bis hin zu einem Pump Track /Dirt Trail. Die Verbindung zum Workout und gesundem Lebensstil schaffen die Flächen für das urbane Gärtnern mit Wiesencafé. ... Do hoitst di fit!

    - In der Mitte liegt das ruhige Herz des Parks . Im topografisch bewegtesten Teil des Parks findet man Platz für Yoga mit Blick über den Park sowie den Geist und die Konzentration fördernde Aktivitäten wie Bouldern, Balancierpfad, Naturerleben und Picknick.... Do hosd dei Ruah!

    - Ganz im sonnigen Norden wird es wild, laut und bunt um Abenteuerspielplatz, Veranstaltungsort und Quartiersbiergarten.... Do gehst wuid!

    Dabei bieten sich die Wälder selbst als vielfältig nutzbare und wertvolle Elemente des Landschaftsparks an: In den Wald zu gehen allein kann als Wellnessprogramm gelten - zur Gesundheitsvorsorge (Waldbaden gegen Stress, Bluthochdruck und für die Stärkung des Immunsystems) und zum hautnahen Naturerleben und –erlernen für alle Altersgruppen. Nebenbei sind sie ökologisch wertvolle Biotope und – nicht zuletzt – Feinstaubfilter an der Autobahn.

    Diese naturnahen Wälder werden nach dem Naturschutzkonzept für den Forstbetrieb München (BAYRISCHE STAATSFORSTEN 2016) bewirtschaftet bzw. gepflegt. Dazu zählt die Integration von Biotopbäumen und Gehölzgruppen, deren Alters- und Zerfallsphasen sich bewusst ausbilden dürfen, das Zulassen/den Erhalt von Totholz , das femelhafte Verjüngungen zur Förderung der Strukturvielfalt, der Verzicht auf Räumungen und Kahlhiebe, der Erhalt/die Förderung der vertikalen und horizontalen Strukturen bei Durchforstungen, die Vernetzung der Habitate miteinander sowie die Förderung von seltenen Baumarten oder von Samenbäumen der natürlichen Waldgesellschaft. Das große vorhandene Feldgehölz bleibt in diesem Sinne als essentieller Bestandteil der neuen Quartierswäldchen erhalten und wird von der Topografie umspült. Zum Schutz wird es durch ökologisch wertvolle, jedoch artifiziell anmutende, streng geschichtete Benjeshecken gerahmt, die das Betreten zum Schutz von Flora und Fauna unterbinden, jedoch gezielt Einblicke zulassen. Das nördlichere bestehende Feldgehölz wird in das Quartierswäldchen integriert.

    Die Landschaftsbrücke bildet wie bereits durch die Planung vorgegeben eine kleine Anhöhe inmitten des Parks. Die Wiesenflächen und Wege steigen sanft zum zentralen Punkt an, so dass die barrierefreie Durchwegung nicht gefährdet wird.

    Die Feld- und Wiesenflur zieht sich als ein großzügiger offener Korridor durch den gesamten Park und hinein in die Grünfinger. Im Norden nimmt sie dort die Kleingartenanlage auf.

    Wälder als Horizontbilder, Feld- und Wiesenflur, Streuobstwiesen und Wasser – das sind die Bausteine für die neue Landschaft, die Heimat Freiham. Hier wird das „Land-Stadt-Leben“ ermöglicht, hier fühlt man sich zu Hause.

    1.BA: Der Freihamer Wiesenbalkon als Auftaktplatz an der südlichsten Quartiersschleife wird mit einem „Freihamer Wildwestgarten“ (ein be-gehbarer, wilder und farbenfroher Präriestauden- und Gräsergarten in pflegeleichter Mischpflanzung mit Sitz- und Liegebänken) und Velostation zum Eingang des Parks und zum angenehmen Verweilort auf der (Rad)Tour entlang des Münchner Grüngürtels. Eine großzügige Sitzstufenkante führt hinunter an den Wiesenkorridor und in die Wiese hinein. 

    Östlich entlang des Sportcampus ordnen sich Rollerskate- bzw. Eislaufbahn, Bühne, Feuer-, Wasser-, Luft- und Sandspielplatz („Spiel der Elemente“) und das Planschspiel im Obstbaumhain.Wildobsthecken akzentuieren die Raumgrenze zu den Sportanlagen.

    Westlich führt die Quartiersschleife entlang des Quartierswäldchens. Kleine Waldwege und Pfade führen von dort in den Wald. Im Wald-saum wird ein Dirtcamp mit Pumptrack entwickelt. Daran anschließend führt ein Trimm Dich Pfad für alle Generationen entlang des Weges. Im Wiesensaum befinden sich verschiedene Spiel und Sportangebote, Urban Gardening Flächen und daran anschließend ein Café mit Außengastronomie und WC.

    Jeweils sind die Nutzungen auf die Lärmimissionen der Autobahn abgestimmt, so dass im Süden die eher lauteren Nutzungen ange-ordnet sind (eine Bühne mit anschließender Rollerskates- bzw. Eislaufbahn im Osten und Tischtennis, Streetball, Fußball, Dirtcamp im Westen).

    Fläche

    58 ha

    Auftraggeber

    Landeshauptstadt München, Baureferat

    Wettbewerb 2017, 3. Preis