Die dem Raum heute innewohnende Dynamik wird zum Ausgangspunkt des Entwurfes. Das Wechselspiel von Ruhe und Bewegung, als typisches Merkmal moderner Städte, wird hier exemplarisch gestärkt. Die historische Gerichtetheit des Raumes (Generalzug/Hobrechtplan) wird durch ein Streifenprinzip aufgegriffen, das den Freiraum in unterschiedliche Bewegungszonen gliedert.

    Der 4 m breite Funktionsstreifen aus Mosaikpflaster greift die historische Strenge und Gerichtetheit des Raumes auf und wird durch die Anordnung der Baumscheiben und Sitzelemente spielerisch rhythmisiert. Ein durchlaufendes Plattenband und großzügige, gerahmte Baumscheiben, die sich partiell zu Sitzelementen erheben, bieten die langersehnte Aufenthaltsqualität unter den altehrwürdigen Platanen. Die Sitzelemente werden, den EG-Nutzungen entsprechend, in Lage und Menge flexibel angeordnet. Gleichzeitig nimmt dieser Streifen die notwendigen Infrastrukturelemente des Gehweges (Fahrradständer, Bushaltestellen, Litfasssäulen, Telefonhäuschen etc.) auf. Das Mobiliar wird in Form, Farbe und Materialität soweit möglich vereinheitlicht. Lücken in den Baumreihen werden, wo immer möglich, konsequent geschlossen und im Bereich An der Urania/ Lietzenburger Straße fortgeführt.

    Die strenge Anordnung und Gerichtetheit knüpft hier an die historischen Qualitäten des Hobrechtplanes an. Entlang der Fassaden verbleibt ein angemessener Bewegungsstreifen für Fußgänger aus Berliner Gehwegplatten mit einem schmalen Oberstreifen aus Mosaikpflaster im Bereich der Gebäudeanschlüsse.

    Der Mittelstreifen wird zum Entschleunigungsstreifen transformiert. Querbezüge zwischen den Gebäuden schaffen ein entschleunigendes Muster. Die architektonische Vielfalt prägt den Raum in variierender Stärke. Der Dynamik der Ost-West orientierten Bewegungslinien der unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer wird ein ungerichteter, von den variierenden Gebäudeversprüngen beeinflusster Freiraum entgegengesetzt. Er ist durch verflochtene Bänder aus robusten, pflegleichten und trockenheitsresistenten Gräser- und Wildstaudenbeeten mit niedrigen Solitärsträuchern und befestigten Flächen (dezent-farbiger Asphalt) geprägt. Dieser Freiraum ist ein Angebot zur ziellosen, zweckfreien Begegnung mit dem Stadtraum und seiner Architektur; ein Möglichkeitsraum zur Wahrnehmung des Ortes aus einem anderen Blickwinkel, der an dieser Stelle verlorenen Mitte. Ziel ist dabei weniger das Flanieren, das „Sehen und Gesehen werden“ historischer Zeiten. Wie auf einer Insel kann der Betrachter hier, losgelöst vom „normalen“ Bewegungsraum, die Eigenarten dieses Transitraumes studieren und auf einem der skulpturalen Sitzelemente verweilen. Oder er erfreut sich von Nahem oder aus der Ferne von der gegenüberliegenden Straßenseite an den ästhetischen Reizen der neuen Gestaltung durch Gräser- und Wildstaudenbeete mit ihren vielfältig-wechselnden, jahreszeitlichen Aspekten.

    Fläche

    8.200 m²

    Auftraggeber

    Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg von Berlin

    Verkehrsplanung

    ZECH-CON Beratende Ingenieure, Berlin

    Kooperatives Gutachterverfahren 2014, 1. Preis