Die lebenswerte, prosperierende Kleinstadt Alzenau an den Ausläufern des Spessart mit Ihrer beschaulichen Altstadt, überragt von den stolzen Burgmauern, mit attraktiven Wohnlagen in landschaftlich reizvoller Umgebung ist die Basis des Entwurfes.

    Die Kahlauen mit den aufgelassenen Kleingartenflächen südlich der Altstadt und der westlich befindlichen, ehemaligen Wellpappefabrik sind vernachlässigte bzw. unansehnliche, nicht zugängliche Stadträume mit einem hohen Potential für Freizeit und Erholungsnutzung.

    Ein neues, attraktives Wohngebiet „In den Mühlgärten“ ist südlich der Kahl bereits realisiert. Südlich daran angrenzend bildet der historische Hauckwald einen Stadtpark mit wertvollem alten Baumbestand den grünen Puffer zwischen den beiden Wettbewerbsbereichen, der wichtiger Bestandteil eines zukünftigen „Grünen Bandes südlich der Kahl“ werden soll.

    Die Wellpappefabrik weicht in den nächsten Jahren dem Neubau einer modernen Stadthalle mit Musikschule, die einen neuen attraktiven kulturellen Schwerpunkt Alzenaus südlich der Kahl setzen wird.

    Der neue „Stadtparcours“ verbindet die beiden zukünftigen Parks, den „Generationenpark“ im Bereich der ehemaligen Kleingärten und den „Energiepark“ westlich der Wellpappefabrik mit der Altstadt, dem Wohngebiet „In den Mühlgärten“, dem Hauckwald und der neuen Stadthalle zu einem spannenden „Hindernislauf“ durch die neuen und zusammenhängend erlebbaren städtischen Freiräume. Hier darf der Besucher – ob im Rahmen der Gartenschau oder in der späteren Daueranlage - zwischendurch schon mal „hängen bleiben“.

    Die „Kahlpromenade“ führt Ihrerseits die Stadt ans Wasser, bildet einen attraktiven, naturnahe Flanier- und Radweg entlang des Flusses mit hoher Aufenthaltsqualität und wird gleichzeitig zur Grünverbindung in die landschaftliche Umgebung Alzenaus. Die Kahl wird als Energieträger sichtbar gemacht.

    Stadtparcours und Kahlpromenade bilden zusammen einen abwechslungsreichen Rundweg zwischen Stadt, Land und Fluss.

    Von der Altstadt über die hölzerne Fußgängerbrücke kommend, geleitet der „Stadtparcours“ (Asphalt mit gestrahlter Oberfläche) über eine kleine Platzfläche mit Wasserspiel - als Auftakt - durch den Generationenpark. Eine seitliche Platzaufweitung aus wassergebundener Wegedecke lädt mit einer begleitenden Baumreihe zum Verweilen ein.

    Schnitthecken bilden - in Anlehnung an die historische Parzellenstruktur des Gartenlandes – vielfältig-kleinteilige, dauerhaft zu erhaltende Gartenräume aus. Hier findet sich die „Strenge Streuobstwiese“, Gemeinschaftspavillon mit Gastronomie und Biergarten im Garten der Generationen „Come together“, der „Rosenzauber-Garten“, der Weingarten „in vino veritas“, der Demenzgarten „Sträucher zum Streicheln“, „Seniorenfitness“, der Garten der Sinne „Sinn und Sinnlichkeit“, der Kleinkinderspielbereich „Matsche-Pampe“, der Skatergarten „Half-pipe adventure“, der Bewegungsparcours „Generationenbewegung“, die Boulebahn „Boule-Party“, ein Kneippbecken, ein Schwimmteich, eine Minigolfanlage, der Kräutergarten „Herbarium“, eine „Sandmagerrasenlandschaft“, ein „Hortensienreigen“, ein „Hauck-Waldgarten“, ein „Schattendschungel“ und eine „Picknickdecke“.

    Leicht ansteigend führt der „Stadtparcours“ von hier aus durch den Hauckwald zunächst auf den dort bestehenden Wegen, dann entlang des nördlichen Randes zum Wohngebiet hin. Als Rampe verläuft er hinter dem künftigen Jugendzentrum barrierefrei hinunter über den Mühlweg, dann weiter die Nikolaus-Fey-Straße parallel begleitend. Eine wassergebundene Wegedecke dient hier als seitliche Aufweitung, die - vis á vis der Schule - zum Spielen und Aufenthalt einlädt. Über ein großzügiges Platzgelenk führt der Weg hinein in den „Energiepark“.

    Auf dem vorhandenen „Baumplateau“ bewegt sich der Weg nach Norden und schiebt sich hinaus als „Balkon zur Kahl“ mit Blick in die Flußauen und die umgebende, offene Feldflur. Seitliche Rampen geleiten hinunter zur „Kahlpromenade“ und über einladende Sitzstufen hinunter zum Ufer. Das „Baumplateau“ wird nach Westen hin vom Unterwuchs befreit und als halbschattiger, waldartiger Staudengarten ausgebildet. Ein kleiner „Baumkronenweg“ führt als Steganlage durch die Kronen des wertvollen Altbaumbestandes. In den Hang eingelegte Sitzstufen laden zum Verweilen im lichten Schatten des Baumbestandes mit Blick über die offene Feldflur und die „Energiegärten“, die jeweils einseitig durch Wände gefasst sind. „Wind of Change“, der Windgarten, ist eine Installation mit farbigen, drachenartigen Segeln, die die Windkraft sichtbar macht, „Black-Hole-Sun“, der Sonnengarten sind schwarz-weiße Farbflächen die den Besucher durch die unterschiedlichen Absorptions- und Ausstrahlungscharakteristika farbig unterschiedlicher Flächen die Kraft der Sonne spüren lässt. Begehbare „Black & White-Boxes“ steigern, als geschlossene Räume, diese Wahrnehmung. „Flower-Power“ verdeutlicht als Schaugarten die Kraft der Energiepflanzen (Raps, Sonnenblumen, Chinaschilf, Energiemais etc.) zur Biomassegewinnung und deren vielfältige Verarbeitungsprozesse (Vergärung, Pressung, Verbrennung) an Ausstellungstafeln an den Wänden. Der Wasserspielplatz „Wasserkraft“ dient der spielerischen Aneignung der Wasserenergie für Kinder durch Sprudel, Fontainen, Spritzdüsen, Wasserpumpen, Stauwerke und Wasserrinnen.

    Ein „Picknickgarten“ lädt zum Frühstück im Grünen. Eine Spiel- und Gymnastikwiese mit „grünem Klassenzimmer“ eröffnet ein Freiraumangebot für die gegenüberliegenden Schule. Nach Osten wird das „Baumplateau“ mit Rasensitzstufen als Tribüne für die vorgelagerte Veranstaltungsbühne ausgeformt. Hier entsteht zur Stadthalle hin ein großer Veranstaltungsbereich für Konzerte etc.

    Die „Kahlpromenade“ begleitet die Flussaue, dient als Grünverbindung zur Altstadt und lädt mit Bänken und Sitzstufen in der Uferböschung zum ruhigen Aufenthalt am Wasser, das auf diese Weise zum erlebbaren Freiraumelement Alzenaus wird. Die vollständige Fertigstellung wäre auch schon für den Zeitraum der Gartenschau (also nördlich der Wellpappefabrik, vor deren Rückbau) wünschenswert, da auf diese Weise schon während der Gartenschau der Rundweg nach dem Motto „Stadt-Land-Fluss“ möglich ist.

    G A R T E N S C H A U

    Der „Energiepark“ wird während der Gartenschau durch eine hohe Heckenwand aus Hainbuchen in Pflanzcontainern als Sichtschutz zur Wellpappefabrik abgegrenzt. Die Hecke kann später im Generationenpark verpflanzt werden. Im zentralen, östlichen Bereich befindet sich die Veranstaltungsbühne. Nördlich davon sind 5 Themengärten Garten- und Landschaftsbau und die temporären Ausstellungs-beiträge der Grünen Verbände von Ministerien, Ämtern und Behörden, von Verbänden und Vereinen, von Kultur und Kunst sowie aus dem Bereich Freizeit und Sport. Südlich der Tribüne wird ein großes Gastronomiezelt mit angeschlossenem Biergarten und die Blumenhalle angeordnet.

    Der Haupteingang/-ausgang erfolgt hier über das Platzgelenk an der Nikolaus-Fey-Straße. Hier sind auch die zugehörige Infrastruktur (Kasse, WC, Erste Hilfe Station) etc. und der Gärtnermarkt angeordnet.

    Ein weiterer Ausgang befindet sich bei der neuen Fußgängerbücke über die Kahl im Nordwesten des Energieparks.

    Im „Generationenpark“ werden neben den oben dargestellten und dauerhaft zu erhaltenden thematischen Gartenräumen ein weiteres Gastronomiezelt mit Biergarten im Bereich des zukünftigen Gemeinschaftspavillons des Generationengartens „Get together“ angeordnet. Hier befindet sich auch der Gemeinschaftsstand Baumschulen, die Friedhofsgärtnerei, die Gartenbauvereine und die Präsentation der Stadteile. Der Haupteingang erfolgt über die Holzbrücke zur Altstadt, hier befinden sich auch Fahrradstellplätze. Ein weiterer Eingang liegt sich an der Straße „Am hohen Kreuz“, auch hier werden Fahrradstellplätze angeboten.

    Der Wechselflor wird als schmale Bänder wegebegleitend entlang des „Stadtparcours“ und der „Kahlpromenade“ ausgeführt.

    Fläche

    76.500 m²

    Auftraggeber

    Natur in Alzenau 2015 GmbH

    Architektur Kahlbalkon

    Sauerzapfe Architekten, Berlin 

    Tragwerksplanung Kahlbalkon

    ifb_ frohloff staffa kühl ecker, Berlin

    Pflanzplanung Stauden

    Orel+Heidrich Landschaftsarchitektur, Herzogenaurach

    Wettbewerb 2010, 1.Preis

    Planung und Realisierung

    2011 - 2015