Kloster und Zeche sind die jeweiligen Keimzellen der Stadtteile Kamp und Lintfort und essentielle Identifikationsorte der Doppelgemeinde. Sie werden als Klosterpark und Zechenpark in ihrer Individualität (weiter-) entwickelt und gestärkt, werden zu Himmel & Erde – zwei Seiten einer Medaille – gleichgewichtet und gleich wichtige stadtbildprägende Freiräume, die immer wieder neue Verknüpfungen zwischen Stadtgeschichte und aktuellem Kontext herstellen, sowie neue  Möglichkeitsräume für zukünftige Entwicklungen schaffen.

    Verbunden werden sie durch den Wandelweg, der gleichzeitig Besucherströme aus dem Stadtgebiet sammelt und leitet und in seiner Funktion als eigenständiger Park (-weg) weiterentwickelt und gestärkt wird.

    Konzept

    Himmel & Erde begegnen sich gleichberechtigt in Kamp-Lintfort.

    Das Kloster mit dem Terrassengarten ist als historisches Erbe ein Anlaufpunkt für Touristen und bisher sicher als das „Highlight“ im Stadtbild zu bezeichnen. Um das Parkensemble des Klosters zukünftig zu vervollständigen wird mit dem Sternenbusch eine neue Parkfläche geschaffen, die abseits der barocken Raster und Staudenpracht einen ruhigen und  eher arkadisch anmutenden Freiraum entwickelt.

    Der Zechenpark mit der neuen Zechenstadt wiederum dient als voluminöse Erinnerung an die Blütezeit des Industriezeitalters und ist gleichzeitig ein Versprechen für die zukünftige Stadtentwicklung. Hier wird der Wandel  der Stadt von der Arbeits- zur Dienstleistungs- und Freizeitgesellschaft sichtbar gemacht.

    Der Wandelgang wird seinem Namen gerecht. Er lädt als verbindendes Element zum Wandeln ein und beschreibt den Zeitenwandel  der Doppelstadt im vis-à-vis von Kumpel und Mönch (fiktive Zeitzeugen als Identifikationsfiguren für die jeweiligen Epochen): Beide begegnen sich hier als markante Signaletik, Geschichten erzählend an besonderen Orten und Kreuzungspunkten zur Stadt. Markiert durch kleine Platzflächen mit hohen Schautafeln rhythmisieren sie in ihrer Abfolge den Wandelgang und ziehen Besucher der Stadt von der Zeche zum Kloster und umgekehrt.

    Zechenpark

    Der Zechenpark besteht aus drei unterschiedlichen Bereichen. Die Zechenstadt orientiert sich am orthogonalen Städtebau des ehemaligen Zechengeländes. Sie erzeugt mit ihren geraden Promenaden und Baumreihen (Sophoren) einen ruhigen Hintergrund für die zentrale, offene Landschaft der Zechenberge. Östlich der neuen Bahntrasse folgt der wilde, naturnahe Bereich der Goorley-Wildnis.

    Die Zechenstadt zeichnet sich durch eine stark orthogonal geprägte Anlage aus. Baumreihen begleiten die einzelnen Quartiere im Norden und Süden. Stadtfugen, großzügige Platzflächen mit geordneten Baumhainen (Gleditsia), rhythmisieren das neue Stadtquartier und markieren deren Eingänge zwischen der Friedrich-Heinrich-Allee im Westen und dem Zechenpark, wie auch Nutzungsschwerpunkte und Zugänge zum Park. Herzstück der Zechenstadt ist der Zechenplatz, der den beiden ehemaligen Fördertürmen eine Bühne bietet um zukünftig als wichtiges Zeugnis der städtischen Geschichte zu strahlen. Großzügige Flächen für Veranstaltungen, Gastronomie und als Treffpunkt beleben den Platz und bieten genügend Raum für verschiedenste Nutzungsperspektiven.

    Ein großes Wasserbecken als Seerosengarten, sowie Pflanzungen von Ruderalstauden setzen gärtnerische Akzente.

    Zentraler Raum- und Gestaltsbildner des Zechenparks ist das Landschaftsbauwerk – die Zechenberge. Diese werden – hergeleitet aus der geologischen Geschichte des Ortes – als Analogie zu den unterirdischen tektonischen Bruchschollen entwickelt. Die große, gefaltete, skulpturale Rasenlandschaft nimmt als tektonische Halde den Abraum des ehemaligen Zechengeländes auf.  Ein langgezogener Weg – der Höhenweg - führt barrierefrei auf die Anhöhen der Rasenskulptur und eröffnet die unterschiedlichen Blickbezüge in den umgebenden Stadtraum Lintforts mit der Goorley-Wildnis  und der neuen Zechenstadt. Dieser Weg teilt das Landschaftsbauwerk in die westlichen, großen Schollentopografien und eine ruhige Böschung in Richtung der Bahntrasse.

    Die Unterteilung der Bruchschollen bezieht sich auf das angrenzende Stadtraster Lintforts und schafft so eine stärkere Verbindung zwischen Park und Stadt und vermittelt zwischen dem westlichen Stadtteil, in dem nach Zechengründung die Villen und Häuser der Angestellten entstanden mit dem östlichen Teil, in dem die Kumpel mit ihren Familien wohnten. Die Höhen der Schollen  variieren und schaffen terrassenartige Flächen, die einmal nahezu als Ebene, einmal als leichte Hanglage abwechslungsreiche Räume ausbilden und dem durch extensive Rasenflächen geprägten Park eine eigene Identität verschaffen. In Verlängerung der Stadtfugen Friedrichstraße und Bendsteg unterbrechen die Parkterrassen, Terrassierungen mit intensiven Spiel- und Aufenthaltsbereichen (Grillstationen) das Landschaftsbauwerk und binden es so an die Zechenstadt. Hier am Rande der Zechenberge finden sich intensives Bewegungsspiel wie Streetball, Beachball, Kleinspielfelder und Skate-Landschaften sowie Generationenspiel.Lockere Baumgruppen (Gingko, Liquidamber, Ailanthus) bieten lichten Schatten ohne die Großzügigkeit der Zechenberge zu stören.

    Die Goorley-Wildnis greift die bereits einsetzende Verwilderung des Randbereiches in der geschützten Nischensituation „hinter der Mauer“ zum abgeriegelten Stadteil Lintfort auf. Daraus ergibt sich die Chance einen für Lintfort einmaligen wilden, ungeordneten Raum naturnah aber dauerhaft nutzbar für die Bewohner zu entwickeln. Die Ruderalwaldbestände, mit ihrem hohen Erholungspotential, bleiben erhalten und werden sukzessive zu einer „edlen Wildnis“ weiterentwickelt. Pioniergehölze werden durch regionaltypische und standortgerechte Gehölze ergänzt um so einen differenzierten, ökologisch hochwertigen und nachhaltigen Naturpark  zu entwickeln.

    Ein geschwungener Hauptweg erschließt diesen Bereich parallel zur Ringstraße und thematisiert über die Gartenschau hinaus als Naturlehrpfad mit Spiel- und Infostationen das Thema Wasser und Natur. Der große Abenteuerspielplatz: „Wild Beasts“ bietet naturnahe Spielerlebnisse für Jung und Alt in vielen Facetten. Zusätzlich werden immer wieder Plätze für Aufenthalt im naturnahen Grün angeboten.

    Der Weg entlang der Goorley nimmt über neue Anschlusswege gleichzeitig die Menschen aus den östlich gelegenen Stadtteilen auf und führt diese zu den drei Bahnquerungen. Die bis heute trennende Zechenmauer wird jeweils in Verlängerung der Straßenfluchten großzügig geöffnet. Platzgelenke und Stahlbögen inszenieren nun den Eintritt in den neuen Park. Diese Tore werden in Anklang an die Namen der anschließenden Straßen benannt. Sie sind die neuen Pforten, die den ehemaligen Kumpel in „seinen“ Park einladen. 

    Im Norden der Goorley-Wildnis werden die Klär- und Retentionsbecken der Lineg, samt Adsorptionsanlage verortet. Nördlich davon prägt das GreenFabLab der Hochschule Rhein-Waal mit seinem Klimapark das neue Gesicht zum Bahnhofsplatz.

    Klosterpark

    Die bereits heute attraktiven historischen Gartenanlagen des Klosters Kamp erfahren durch die Einbeziehung des Sternenbuschs eine sensible Parkerweiterung. Die barocken Gartenanlagen werden durch neue Wegeverbindungen stärker zu einem Gesamtensemble zusammengebunden. Die Hangflächen des Sternenbuschs werden durch weiche Wegeschleifen erschlossen, welche auch die niedriger gelegenen Parkteile barrierefrei anbinden. Die Wege werden begleitet von extensiven Staudenbändern, die Hangflächen werden durch lichte Streuobstwiesen akzentuiert. Stellenweise weiten sich die Wege und formen balkonartige Aufenthaltsflächen, die diverse Blickbezüge, wie zum Zechengelände die ‚Friedrich-Heinrich-Sicht’ aufnehmen.

    Die neuen Wege schaffen auch Verbindungen zum Wein- und zum Kräutergarten und erlauben so Einblicke in die gärtnerische Kultur der Zisterziensermönche. Im südlichen Bereich am Hangfuß gelegen markieren Aufenthaltsflächen und erweiterte Spielflächen (Sternenbild +Kraft aus dem Universum) den intensiven Teil des Parks.

    Wandelweg

    Ausgehend vom Kloster Kamp verbindet der Wandelweg bis zum neuen Bahnhofsplatz an der alten Zeche die beiden bedeutensten Freiräume der Stadt.

    Eine neue Wegeverbindung nordöstlich der Großen Goorley bietet eine getrennte Führung für Fahrradfahrer und Fußgänger an um zukünftig Nutzungskonflikte zu minimieren. Kleine Plätzchen und Parktaschen ermöglichen die Transformation vom reinen Durchgangsraum zum Erlebnisraum. Hier findet man neben neuen Flächen für Trendsportarten auch Spielorte für alle Generationen, sowie im nördlichen Abschnitt entlang der Fossa Naturlehrstationen.

    Die Fossa-Freiheit ist eine Reminiszenz an den ursprünglichen Verlauf dieses Wasserbauwerks und macht diesen durch eine leichte Absenkung der Wiesenfläche und die Fortführung von begleitenden Baumreihen wieder erlebbar.

    Signaletik

    Der Begegnung von Himmel und Erde trägt die vorgeschlagene Signaletik, als durchgehendes Besucherleitsystem, Rechnung.  Mönch und Kumpel treffen sich an markanten oder städtebaulich wichtigen Orten zum Gespräch. Die Orte werden als kleine Plätzchen mit Stahlstelen und Informationstafeln mit hohem Wiedererkennungswert inszeniert. Hier erzählen sie sich bedeutsame Stadtgeschichten von gestern, heute und übermorgen.

    Gartenschau

    Auch die Gartenschau greift das Thema von Himmel & Erde auf und untermalt das Gesamtkonzept.

    Der Zechenpark bildet den Gartenschauschwerpunkt. Hier findet man Flächen für die großen Veranstaltung und die Hauptgastronomie. Der Haupteingang zum Zechenpark befindet sich an der Friedrich-Heinrich-Allee und liegt gegenüber des für die Gartenschau genutzten großen Parkplatzes. Weitere Eingänge befinden sich im Süden am neuen Bahnhaltepunkt Kamp-Lintfort-Süd und im Norden am neuen Bahnhofsplatz im Zentrum. Dort befindet sich auch der Übergang zum Wandelweg, der die fußläufige Verbindung zum Ausstellungsbereich Kloster Kamp bildet.

    Im Zechenpark wird ein breites Spektrum an Ausstellungsflächen angeboten. Während im Bereich der Stadtschiene  eine dichte Anordnung verschiedener Schaugärten, Flächen für die grünen Berufe, sowie der Gärtnermarkt eine intensive Bespielung des Zechengeländes anstreben, wird im Bereich der Goorley-Wildnis der Fokus auf die Themen Natur und Landschaft gelegt. Um die Flächen der Lineg und des GreenFabLab im Norden thematisiert der Klimapark aktuelle Themen einer nachhaltigen und zukunftsgewandten gesellschaftlichen Entwicklung.

    Für die neuen Quartiere werden bis zur Realisierung Kurzumtriebsplantagen (Pappeln, Weiden, etc.) als Zwischennnutzung entwickelt, die vor allem auch im Rahmen einer Inszenierung der Gartenschau für eine besondere Bespielung sorgen. Wechselflor-Pflanzungen setzen dezente bis intensive florale Akzente und inszenieren wegebegleitend die Gartenschau.

    Der Klosterpark legt den Ausstellungsfokus auf die geschichtlichen Aspekte der Gartenkunst und bietet neben den barocken Gartenteilen mit dem Sternenbusch einen landschaftlichen Mittelpunkt, der mit Wein- und Kräutergarten auch Geschichten der traditionellen Landnutzung erzählt. Der Gärtnermarkt bietet den Besuchern - in Parkplatznähe  - die ganze gärtnerische Produktpalette  zum Mitnehmen an. Der Wandelweg schmückt die Stadt während der Ausstellung mit zusätzlichen Programmpunkten. Die Kendel-Lights als leuchtende Zeichen der Gartenschau markieren den Weg zwischen Zechenpark und Klosterpark und lassen den Wandelweg und die Große Goorley magisch funkeln.

    Fläche

    40 ha

    Auftraggeber

    Stadt Kamp-Lintfort

    Wettbewerb 2017, 2. Preis

    in Zusammenarbeit mit

    Oliver Kleinschmidt und Joost Reckmann