Landesgartenschau Aigen-Schlägl 2019  ... mit allen Sinnen

    Schlägl, als landschaftlich gelegener Teil der Marktgemeinde Aigen-Schlägl wird als Landschaftspark neu interpretiert. Die drei zentralen Institutionen im Wettbewerbsgebiet (Stift, Brauerei, Bioschule) werden durch die Ausformulierung von Platzsituationen als Adressen herausgearbeitet.

    Ein Rundweg verknüpft die drei Institutionen mit ihren Plätzen untereinander und darüber hinaus mit dem umliegenden Landschaftspark. Der Dreiklang der drei Teilbereiche der lokalen und regionalen Kultur & Landschaft wird erlebbar gemacht und bewusst inszeniert. Die Wahrnehmung für die vielseitigen lokalen Qualitäten und Besonderheiten wird sensibilisiert, Bewusstsein und Achtsamkeit entsteht.

    Jeder der drei Teilbereiche ist durch ein spezifisches Themenpaar charakterisiert: Natur & Geist, Bio & Land, Kultur & Garten.

    Der neue Erlebnisweg führt barrierefrei durch die neue Parkanlage und überwindet durch großzügige Serpentinen die Hanglagen des Wettbewerbsgebietes. Trockenmauern aus Naturstein unterstreichen die Schwünge des Weges und bieten zurückhaltende Aufenthaltsmöglichkeiten an dessen terrassenartig aufgeweiteten Kehren. Blickbezüge in die Umgebung werden dort besonders erlebbar, hervorgehoben und gelenkt.

    In Ergänzung zum barrierefreien Hauptweg bieten Querwege immer wieder Abkürzungsmöglichkeiten, den schnellen Aufstieg. Weitere Nebenwege erschließen die kleinteiligeren Schauplätze wie im Böhmerwaldpark oder an der Bioschule, sowie die extensiveren Teile des Landschaftsparks.

    Aufgrund der gewünschten Barrierefreiheit wird der Rundweg aus Asphalt mit heller Abstreu vorgeschlagen. Er fügt sich harmonisch in die verschiedenen Kontexte und das Landschaftsbild ein und bietet im Sinne der Nachhaltigkeit eine dauerhafte und pflegearme Intervention, die es jeglicher Nutzergruppe erlaubt die unterschiedlichen Erlebnisräume entlang des Weges zu besuchen.

    NATUR.GEIST

    Unter dem Thema Natur.Geist steht der Bereich südwestlich des Stiftes Schlägl und entlang der Flusslagen an der Großen Mühl. Bis heute wurde dieser Freiraum als Rückseite des Stiftes wahrgenommen. Die neue Wegeführung aktiviert diese Seite und öffnet den Raum für die Erholunsgnutzung. Der Rundweg verläuft in diesem Teilbereich über die Mühlinsel und verschwenkt dann weiter östlich in das dicht mit Bäumen bestandene Auwäldchen südlich des Stiftes. Durch die tiefe Lage des Weges hier im Mühltal und die wilde Ursprünglichkeit des Flussraumes wird der Kontrast zum erhabenen, über der Landschaft schwebenden Stiftsgebäude verstärkt und ein arkadisches Bild kreiert.

    Im Fokus stehen die Flussnatur und die Kontemplation, das Geistige. Es wird eine Gestaltung vorgeschlagen, die Ruhe und Natürlichkeit erlebbar macht. Hauptanlaufpunkte bilden hier die dauerhaften Themengärten südlich des Stiftes. Der auf der Halbinsel gelegene Garten ‚Bachrauschen’ setzt sich mit der auditiven Wahrnehmungsebene auseinander. Das Bachrauschen ist allgegenwärtig. Als weitere Frequenzen kommen extensive Gräserpflanzungen dazu, die durch ein leichtes Rascheln im Wind zu hören sind. Ein Klangspiel und Ruhebänke unterstreichen die meditative Atmosphäre.

    Ein Trimm-Dich-Pfad auf der Halbinsel und Naturbeobachtungsstationen entlang des Auwaldes erweitern das Angebot in diesem Abschnitt des Landschaftsparks.

    BIO.LAND

    Die Flächen um die Bioschule Schlägl stellen eine Verbindung von Agrar- und Kulturlandschaft dar, welche vor allem unter dem Label BIO prägend für das obere Mühlviertel ist.

    Der Rundweg zieht sich in langen Serpentinen über die extensiven Hanglagen durch die Obstwiesen und bietet immer wieder imposante Ausblicke in die nähere und weitere umgebende reizvolle Landschaft. Neben den Aspekten der Naturbildung wird ein Fokus auch auf die nachhaltige und extensive Bewirtschaftung der Landschaft gelegt. Neben dem  Obstbaumhain und den neuen Spalierobstreihen wird hier auch der Anbau von Gemüse praktiziert.

    Ein Didaktischer Pfad als Wegeschleife südlich der Schule thematisiert die vielfältigen Ebenen des Lebens von und mit Natur- und Landschaft. Hier werden punktuell Orte für den Umgang mit Pflanze, Boden sowie Nutztieren geschaffen, die vorhandenen Hühnerställe und die Bienenzucht sind integrativer Bestandteil.

    Östlich der Schule wird Sportliches zusammengeführt, neben dem Fußballplatz wird der Beachvolleyballplatz neu verortet und durch eine Rasenfläche für freies Spiel ergänzt.

    Der Rundweg führt  - die alte Eschenallee querend -  in den Park der Achtsamkeit. Dieser wird bewusst über Wege- und Sichtbeziehungen mit der offenen Landschaft zur großen Mühl hinab und zur Bioschule verbunden um ihn als Bestandteil der Landschaft erfahrbar zu machen.

    Der nördliche Teil des Parks ist mit seiner großzügigen Spiellandschaft, eingebettet in Rasenflächen, der intensivste Bereich. Leicht schwingende Mauern, dem Relief folgend, strukturieren die verschiedenen Spiel- und Wahrnehmungsbereiche. Zum Spielthema Körperspannung und Kraft werden Möglichkeiten zum Klettern und Springen angeboten.

    Der zentrale Teil des Parks wird als große Wiese ausformuliert, in welcher ein Landschaftsspiel aus natürlichen Materialien den Fokus auf Balancieren und Gleichgewicht legt.

    Der südliche Bereich des Parks im Übergang zur freien Landschaft wird nur minimal gestaltet. Ein Wechsel aus extensiven Wiesenflächen und Rasen ermöglicht ein ruhiges Picknick im Grünen und schafft durch die querenden Wiesenbänder malerische und gleichzeitig spannende Perspektiven.

    Die alte Eschenallee zwischen Park und Weiden zum Mühltal behält den vorhandenen verwunschenen Pfad. Die bereits erfolgte Ausdünnung der Bäume wird geordnet und ermöglicht abwechslungsreiche Durchblicke in das Tal der großen Mühl. Eine behutsame Umformung mit resistenten Arten, z.B. Fraxinus americana kann eine Möglichkeit darstellen, den Charakter der Eschenallee nachhaltig zu sichern.

    KULTUR.GARTEN

    Die Flächen um die Stiftsbrauerei Schlägl werden - neu geordnet - besser miteinander verbunden, um hier vor allem das kulturelle und das kulinarische Erlebnisangebot auszubauen.

    Der Böhmerwaldpark erfährt eine zeitgemäße Interpretation als regional geprägter Garten. Dabei werden prägnante Bestandteile des heutigen Parks übernommen und behutsam integriert (Plätzchen am Brunnen, Labyrinth, Baumbestand, Einfassungsmauern).

    Die Wegestruktur wird weiterentwickelt und durch ein leiterartiges Grundgerüst und klare Gartenparzellen herausgearbeitet. Diese nehmen als kippende Schollen verspielt das Thema der hügeligen Landschaft des Böhmerwaldes auf. Die rahmenden Böschungen werden mit extensiven Stauden bepflanzt, die ein besonderes Erlebnis für alle Sinne bieten.

    In den Randbereichen entstehen dezent Spielmöglichkeiten, die Nutzungsmöglichkeiten für die Parkbesucher erweitern.

    Im Übergang zur Stiftsbrauerei entsteht ein neues Hopfenkabinett, das diese Kulturpflanze besonders erlebbar macht und den Weg zur Brauerei inszeniert. Es ist wünschenswert den für die Gartenschau errichteten Steg auch im Sinne der Nachhaltigkeit für die Daueranlage weiter zu nutzen. So können auch langfristig Synergien zwischen Brauerei und dem Garten als Veranstaltungsort entwickelt werden.

    Die Grünanlage um den Stiftsteich wird sensibel überarbeitet. Im Süden wird eine behutsame Auslichtung des Baumbestandes vorgeschlagen, um einen stärkeren räumlichen Zusammenhang zwischen den beiden Teilen des Parks beidseitig des Galgenbachs herzustellen.  Das Angebot an Aufenthaltsorten wird verbessert und so bewusstere Blickbeziehungen über den Teich inszeniert. Im Norden weitet sich der Weg zu einem kleinen Platzgelenk, welches die Verbindung in Richtung Marktplatz Aigen über die Straße ‚Grüner Weg’ stärker hervorhebt und als kleiner Bouleplatz genutzt werden kann.

    Die Gartenschau als Sommerfest und Auftakt für den dauerhaften Landschaftspark Aigen-Schlägl steht unter dem Titel Bio.Garten.Eden.

    Der dauerhaft konzipierte Hauptweg = Rundweg erschließt diese drei Themenräume barrierefrei. Ergänzende Wegeschleifen erweitern die Gartenschauflächen und schaffen Raum für ein großzügig angelegtes und dem Ort angemessenes vielfältiges Ausstellungskonzept.

     

     

    Fläche

    150.000 m²

    Auftraggeber

    Landesgartenschau Aigen-Schlägl GmbH, Aigen-Schlägl/Österreich

    Wettbewerb 2016, 3. Preis