Die malerische Stadt Öhringen kann - als ehemalige Hohenloher Residenz -  auf eine  traditionsreiche Geschichte zurückblicken,  die bis auf römischen Wurzeln zurückreicht. Die Lage am Limes und zahlreiche geschichtsträchtige Gebäude zeugen von der hohen Bedeutung der Stadt durch die Jahrhunderte.

    Mit dem historischen Hofgarten, dem naturnahen Flusslauf der Ohrn (Cappelrain) und der offenen Feldflur der Cappelaue mit dem ehemaligen fürstlichen Hofgut Cappel stehen z.T. Kulturdenkmäler mit hohem landschaftsräumlichen Potentiale zur Verfügung, die es sensibel zu ergänzen und für Fußgänger und Radfahrer miteinander zu verknüpfen gilt. Besonderes Augenmerk gilt auch der Inszenierung des Limes, der bis dato nicht als Freiraumelement wahrnehmbar ist.

     

    Konzept

    Das System mehrerer nahezu parallel verschobener Ost-West-Wegeverbindungen parallel zur Ohrn wird zwischen Altstadt/Hofgarten und Cappelaue weiter entwickelt.

    Der Flusslauf der Ohrn ist das verbindende Element zwischen Altstadt mit Schloss und Hofgarten und den östlichen Gartenschaubereichen beim Hofgut Cappel mit der umgebenden Feldflur. Seine Ufer werden - in Abstimmung mit den Wasserbehörden – naturnah gestaltet, das Ufer abwechselungsreich modelliert und mit höhengestufter Gehölzpflanzung und Uferrandstauden bepflanzt, das Bachbett durch Kiesschüttung aufgerauht und mit Störsteinen versehen.

    Vor allem in der Cappelaue wird der Retentionsraum der Ohrn großzügig erweitert. Hier entstehen artenreiche Feuchtwiesen statt der flußnahen Felder. Die Ohrnpromenade begleitet den Flusslauf als wichtigste, neue Rad- und Gehwegverbindung zwischen Altstadt und dem Stadtteil Cappel und der Cappelaue. Im gesamten Auenbereich führen Stege zum Ufer der Ohrn.

    Auenbalkone - variierende Sitz- und Beobachtungsdecks – eröffnen besondere Aufenthaltsbereiche am Wasser.

    Ein zweites Wegesystem erfolgt in Nord-Süd Richtung, es begleitet das Gartenparterre im Hofgarten und die Gartenbänder in der Cappel Aue.

    Der Hofgarten hat sich mit zahlreichen Ergänzungen in den letzen Jahrzehnten bereits zum Bürgerpark entwickelt. Er bleibt als Kulturdenkmal in seinen hohen Freiraumqualitäten erhalten und wird sensibel ergänzt.  Im Anklang an die barocke Gestaltung wird das historische, Gartenparterre mit Stauden und Sommerblumen als zentrales Freiraumelement und Schwerpunkt des Hofgartens wieder zum Leben erweckt.

    Im Westen bildet ein Spielbereich unter Einbeziehung des vorhandenen Spielplatzes den Schwerpunkt des Gartenbandes, welches den räumlichen Abschluss des Hofgartens zu unterstreicht.

    Die vorhandene Wegeerschließung im Hofgarten bleibt erhalten und wird ggf. sensibel erneuert. Von der Altstadt her kommend geleitet die Hauptwegeachse, das Gartenparterre umrundend hinunter zur Ohrn.

    Hier beginnt die Ohrnpromenade vom Hofgarten kommend entlang des schmalen Flusskorridors, des Korrespondenzbereiches Cappelrain, zunächst die Hunnenstraße unterquerend. An Aufweitungen des Korridor begleiten geschwungene Sportbänder spielerisch die Wegeverbindung passend zur städtebaulichen Umgebung (Stadion, Sporthalle, Fußballfeld).

    Hier fügt sich die Sommerhalle selbstverständlich ein in den neuen Landschaftsfluss und besetzt in Straßennähe das Feld so, dass ein gut nutzbarer Bereich neben der Halle frei bleibt zur unterschiedlichen Bespielung. Die Zugänge sind straßenseitig angeordnet. Die visuelle Eigenständigkeit im Verhältnis zur Nachbarschaft wird über eine bepflanzte ca. 2,5 hohe Holzwand nach Süden erreicht, die dem Linienfluß folgt.

    Der Grundriss der Halle selbst folgt den landschaftlichen Linien mit seinen eigenen Winkeln. Zwischen zwei festen Elementen für die Nebenräume spannt sich die leichte transluzente Dachkonstruktion mit eleganten Holzbindern auf leichten Holzstützen und erzeugt eine auffächernde  Geste quer zur Längsrichtung.

    Die Sommerhalle, die während der Gartenschau die den Großteil der Blumenschau aufnimmt,  akzentuiert eine größere Aufweitung des Flusskorridors begleitet von Multifunktionsflächen, Streetball- und Kleinspielfeldern.

    Die Ohrnpromenade führt weiter entlang einer Wildstaudenböschung (während der Gartenschau ergänzt durch Stauden und Wechselflor) bis sich der Blick in die Cappelaue weitet. Dort kreuzt die Promenade den Limes.

    Der Verlauf des Limes wird – analog der historischen Ausprägung - als Schneise sichtbar gemacht. Die Grundfläche wird - in Erinnerung an das damalige, landschaftsräumliche  Tabula rasa  der Römer - mit regionalem Muschelkalkschotter leicht bedeckt. Das Betreten soll hier zwar möglich aber nicht wirklich bequem oder einladend sein. Der Limes diente den Römern im Wesentlichen der Grenzmarkierung zu den Germanen. Die regionale Besonderheit des obergermanischen Limes im Bereich Öhringen ist die klare Linearität ohne auf die bestehende Landschaft Rücksicht zu nehmen. Voraussetzung für diese Vermesserleistung der Römer war das „Groma“, mit welchem im römischen Reich alle neuen Ländereien (Städte, Siedlungen, Straßen etc.) eingemessen wurden. Durch ein hochentwickeltes Rastersystem (limites) konnte so ein Feld, ein Lagerplatz, eine neu zu gründende Stadt oder zu verpachtende Flur in einem Koordinatensystem erfasst und abgesteckt werden. Diese Vorgehensweise wird als Limitation bezeichnet. Die römischen Flächenmaße beruhten auf der Länge des actus, der ca. 120 Fuß (35,52 m) entspricht.

    Dieser Vorgang wird im Bereich des Bodendenkmals, der „Limesfreiheit“, durch ein Raster aus 6m hohen Stahlstangen aufgegriffen, die die Ausdehnung der Schneise abstecken. Die Stangen markieren im Rasterabstand  von 1/2 actus die Limesfreiheit.

    Die offene Feldflur der Cappelaue bleibt in ihrer schlichten aber großzügigen, landschaftlichen Qualität erhalten. Gartenbänder akzentuieren in Nord-Südausrichtung der historischen Parzellenstruktur der Feldflur.

    Die Limesgärten (Römergarten, Germanengarten, Limesgarten) thematisieren an dessen Ostseite spielerisch den Grenzverlauf und seine historische Bedeutung. Geschnittene Hecken und schmale  Stahlstege, die „Limesbalkone“ gliedern die Limesgärten. Letztere bieten Ausblicke über die Fläche.

    Weitere Gartenbänder nehmen die Gartenschaunutzungen (Land- und Forstwirtschaft, Sonderschau Umwelt, nachwachsende Rohstoffe, ...) und die dauerhaften Spiel- und Sportflächen sowie Staudengärten auf.

    Die vorhandene Streuobstwiese am südlich die Cappelaue begrenzenden Hang bleibt erhalten und wird als landschaftstypisches Element Öhringens eingebunden und seitlich um einen Weinberg ergänzt. Ein weiteres Gartenband – hier mit Obst-, Imker- und  Weingärten - vervollständigt das kulinarische Ensemble. Breite, naturnahe  Feldheckenpflanzungen gliedern die Gartenbänder in der Cappelaue.

    Im Nachgang der Gartenschau werden die Gartenbänder als pflegeleichte Feldgärten für die Bewohner der angrenzenden Wohngebiete nachhaltig nutzbar.

    Die Ohrnpromenade führt weiter in Richtung der Felsenkeller der ehemaligen Brauerei Sattler, wo die Garteninhalte auf die Brautradition eingehen, von dort führt der Gartenschaurundweg weiter über die neue Fuß- und Radwegebrücke über die Ohrn. Die Brücke wird in leichter Holzbauweise möglichst weit außerhalb der Uferböschungen gegründet, so dass der Eingriff in den ökologisch wertvollen Ufersaum gering gehalten wird. Weiter führt der Weg vorbei am Reiterverein, wo die Garteninhalte auf diese spannende Nachbarschaft eingehen können. Hier können die Reiter in die Gartenschau eingebunden werden und zu einer besonderen Attraktion werden. Der Spielplatz „Texasreiten“ bleibt dauerhaft erhalten.

    Das Hofgut Cappel wird zum Bestandteil der Gartenschau und dafür lediglich mit einem temporären Ausstellungskonzept bespielt, da es sich in Privatbesitz befindet.

    Während der Gartenschau führt eine leichte Brücke über die Landesstraße und den Besucher direkt in das Hofgut Cappel. Diese Fussgängerbrücke spannt in einem eleganten Schwung über die Strasse und schwingt leicht in die Wege ein. Sie ist als eine leichte Stahl-Holz-Konstruktion vorgesehen, die geschlossene Holzbrüstungen erhält. Sie wird nachts in Szene gesetzt und interessant beleuchtet. So wird sie im Bereich der Landesstraße zum Leuchtturm für die Gartenschau.

    Die historische Gliederung des Hofgutes soll soweit möglich und sinnvoll wieder lesbar gemacht werden. Östlich des Parterres beginnt die historische O-W-Achse und geleitet, von Schattengärten und Freisitzen des Cafés begleitet, an den Mittelpunkt des Parterres.

    Vor der historischen Orangerie weitet sich die Fläche zu einem Baumumstandenen Wiesenraum. Hier wird das historische Bassin rekonstruiert und bekommt in Anlehnung an das Ölgemälde aus der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Rahmung durch ein Rosenbeet. Die O-W-Achse führt den Besucher über eine Treppe eine Böschung weiter hinauf zur zweiten Ebene, die in zwei Bereiche geteilt wird. Im nördlichen Teil werden während der Gartenschau Themengärten (Hausgärten) präsentiert, während der südliche Teil mit dem prächtigen, altehrwürdigen Nussbaum aus  dem 19. Jhd. als Ort der Entspannung dient. Liegestühle laden hier zum Verweilen ein. Von hier aus gelangt man weiter über die nächste Böschungstreppe zur dritten Ebene, die sich in Form eines gemähten Wiesenweges zur Landschaft hin öffnet. Ein weiterer Weg führt die obere Böschungskante entlang zur nördlich gelegenen, historischen O-W-Achse, an deren Enden die historischen Pavillonstandorte durch berankte Pergolen aufgegriffen werden, ebenso wie die Enden der historischen, heute aber aufgrund des wertvollen Altbaumbestandes verwachsene, nicht mehr lesbare, südliche Achse. Hier wird auf eine Auslichtung zugunsten des wertvollen Baumbestandes verzichtet. Die nördliche O-W-Achse führt zwischen 4. Und 3. Ebene wieder hinunter in Richtung Orangerie, und führt dort an der Kante zwischen 1. Und 2. Terrasse entlang, vorbei am Obst- bzw. Spalierobstgarten, den es historischen Aufzeichnungen zufolge, bereits Mitte des 19. Jahrhunderts schon gegeben haben soll. Im östlichen Bereich des Hofguts finden während der Gartenschau Bauernmärkte statt. Eine Scheune nimmt einen Teil der Hallenschau auf. Ein Cafe und eine Veranstaltungshalle – in welcher Hofkonzerte denkbar sind – ergänzen den Auftakt zum Hofgut.

    Am Bauernmarkt entlang gelangt man an die nördliche Grenze des Hofguts weiter Richtung Gartenschau-Ausgang mit Gärtnermarkt und Gastronomie mit Blick auf die Cappelaue am Bahnhof Cappel.

    Der Hauptstellplatzbereich für die Besucher der Gartenschau (1520 PKW und 50 Busse)wird auf der offenen Feldflur nördlich der Bahntrasse temporär angeboten.

    Fläche

    200.000 m²

    Auftraggeber

    Große Kreisstadt Öhringen

    Wettbewerb 2009, Anerkennung