Der Campus stellt sich heute in einer großen Heterogenität, Unordnung und durch fehlende städtebauliche Bezüge dar. Die Materialitäten von Flächenbelägen, Mobiliar und Pflanzen sind uneinheitlich und unabgestimmt. Die Pflanzenverwendung wirkt eher zufällig obschon viele wertvolle Altbäume vorhanden sind.

    Die vorhandenen Gebäude stehen überwiegend bezugslos nebeneinander auf dem Campusgelände verteilt und sind nicht in den städtebaulichen Kontext eingebunden.

    Die neuen „Campusbänder“ suchen den Bezug zum umgebenden Stadtraum. Plätze an den jeweiligen Enden markieren die Ein- und Übergänge.

    Die baumbestandenen Bänder sind das ordnende Gerüst des neuen „Campus am Stern“. Die strengen Baumhaine nehmen den vorhandenen, wertvollen Baumbestand auf und werden auf diese Weise angenehm aufgelockert.

    Begleitende Sitzmauern aus weißem Sichtbeton mit farbiger Tartanauflage oder Stützmauern - wo aufgrund der Geländesituation notwendig – akzentuieren die Bänder.

    Das zentrale „Interaktions-Band“ verbindet den Johannes Kepler Platz mit dem Campus. Es ist ein den Schulen zugeordneter, öffentlicher Aufenthaltsbereich für Freizeit-, Spiel- und Sportflächen und ruhige, kontemplative Wiesenräume mit langen Sitzelementen (Grünes Klassenzimmer. Der „Hain der Erinnerung“ findet hier ebenso seinen Raum wie Beach-Volleyballflächen, Tischtennisplatten, die vorhandene Rutsche und das vorhandene Spielgerät “Drehlabyrinth“, einen „Klettergarten“sowie einen Bereich „Natur und Ökologie“.Die beiden randbündigen Bänder sind räumlicher und zeichenhafter Abschluss des neu gestalteten Stadtraumes.

    Zwischen den beiden Sportplätzen nördlich der Schule wird das „Sporterlebnis-Band“ angeboten. Die lange Sitzmauer mit Tartanauflage unter der Doppelbaumreihe dient der Beobachtung der sportlichen Aktivitäten oder den Sportlern für ihre Ruhepausen.

    Die beiden „Rand-Bänder“ schließen den Raum zu den Straßen nördlich und südlich ab und markieren zeichenhaft (z.B. Zierobstbäume mit Frühjahrs- und Herbstaspekt) die Grenze des Campus. Auch hier sind die wertvollen Bestandsbäume in den strengen, versetzt angeordneten Baumreihen integriert.

    Der engere Schulbereich (Grundschule und Gymnasium) wird analog dem Bestand als leichtes Plateau von Stützmauern mit leichtem Geländer gefasst, begleitet von einem umlaufenden Weg ausgebildet. Der östlich der Grund- und Musikschule befindliche Freiraum wird als „Spielgarten“ diesem Plateau zugeordnet und so stärker vom öffentlichen Raum abgesetzt. Barrierefreie Treppen und Rampen geleiten vom Straßenniveau hinauf.

    Das neue Mehrzweckgebäude befindet sich als flexibler, transluzenter Solitär an der Schnittlinie zwischen belebtem Straßenraum und der Campusfläche.

    Der „Campusplatz“ ist der großzügige Pausenhof beider Schulen und mit einem großformatigem Plattenbelag ausgebildet. Baumreihen bieten schattige Sitzgelegenheiten an.

    Es fügt sich neutral in die umgebende Struktur ein und vermittelt zwischen diesen konträren Raumqualitäten.

    Durch den formalen Bezug des neuen Volumens auf die architektonische Grundhaltung des Orts wird die Fläche des Campus als neues, prägendes Element gestärkt.

    Das Mehrzweckgebäude beansprucht, obwohl in seiner Außenwirkung zurückhaltend, Präsenz durch seine Klarheit, ohne zu dominieren.

    Es ist Hülle für eine Vielzahl von Aktivitäten, ist „Screen“ zum Straßenraum und Rücken des „Campusplatzes“.Sie ist transparent und erhält nur durch Vorhänge, abendliche Illumination, die inneren Volumen und die Benutzer eine wechselnde Farbigkeit.

    Alle Säle lassen sich in ihrer Größe variieren.

    Ziel des Energiekonzeptes ist es, den Energie- und Ressourcenverbrauch durch eine kompakte Gebäudeform („thermische Kompaktheit") und einer Gebäudehülle mit hohem Wärmeschutzstandard so gering wie möglich zu halten.

    Die hochgedämmte Außenhülle und der Einsatz von qualitativ hochwertigen Werkstoffen entsprechen dem Anspruch einer ökologischen und ökonomischen Gesamtlösung.

    Durch die zu öffnenden Außen- bzw. Innenschale und Oberlichter entsteht eine einfach steuerbare, natürliche Zirkulation zu Be- bzw. Entlüftung der Säle. Das Dach wird Extensiv begrünt.

    Die flexible Struktur des Gebäudes wird von einer verglasten Stahl-Rahmen-Konstruktion mit aussteifenden Sichtbetonscheiben geprägt. Die darauf aufbauende Verwendung regionaler Materialien und Baustoffe bewirkt eine zeiteffiziente Errichtung und einen ökonomische Betrieb des Mehrzweckgebäudes in der Zukunft.

    Für den Zeitraum bis zum Baubeginn der Mehrzweckhalle kann hier eine temporäre Rasenfläche als Spiel- und Liegewiese angelegt werden. Sollte die Halle nicht gebaut werden, wird die Fläche durchgehend mit großformatigen Platten belegt.

    Der „Skulpturengarten“ westlich des Gymnasiums gibt den vorhandenen Skulpturen und zukünftigen Kreationen der Gymnasiasten einen Raum.

    Der Wiesenraum östlich der Grund- und Musikschule bietet als „Spielgarten“ jüngeren Schülern unterschiedliche Spielareale wie eine Kletterwand (Free-Climbing), eine Spiel-Baustelle mit mobilen Gerätschaften multifunktionale Asphaltfläche, die z.b. für Mini-Scating und als Streetballfläche genutzt werden kann.

    Das Umfeld der Sporthalle und der öffentliche Bolzplatz bleiben erhalten. Lediglich der Eingangsbereich der Halle wird materialeinheitlich neu ausgebildet.

    Fläche

    45.100 m²

    Auftraggeber

    Landeshauptstadt Potsdam

    Architektur

    thoma architekten, Zeulenroda/Berlin

    Wettbewerb 2006, 3.Preis